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Jammers' Einsicht und Seligmanns Bücher



Laurentius - http://www.germany.net/teilnehmer/100/115158/laurent.htm



Aus einer Pressemitteilung des Laurentius Verlags vom 02.09.1999

Umdenken in Bibliotheken:  Generaldirektor der Deutschen Staatsbiblioth=
ek
sieht moralische Verpflichtung, den Bestand deutscher Bibliotheken auf
unrechtm=E4ssigen Besitz zu =FCberpr=FCfen

Der Generaldirektor der Deutschen Staatsbibliothek zu Berlin, Dr. Anton=
ius
Jammers, erkl=E4rte auf dem 89. Deutschen Bibliothekartag in Freiburg, =
dass
die Verhandlungen mit Osteuropa, z.B. mit Polen, =FCber die R=FCckf=FCh=
rung des
dort noch lagernden deutschen Kulturgutes, vor allem auch B=FCcher, sen=
sibler
als bisher angegangen werden m=FCssen und die moralischen Masst=E4be da=
bei neu
gesetzt zu werden h=E4tten. Deshalb habe sich die Staatsbibliothek zu B=
erlin
entschlossen, ihre eigenen Best=E4nde auf m=F6gliche w=E4hrend der NS-Z=
eit
konfiszierte Literatur zu sichten. Der Aufwand daf=FCr sei gross, das
Ergebnis bisher aufgrund zahlreicher Unw=E4gbarkeiten w=E4hrend des Kri=
eges und
auch noch in den ersten Jahren der Nachkriegszeit demgegen=FCber eher g=
ering.
Dennoch aber sei es eine moralische Verpflichtung, sich dieser Aufgabe
trotz des damit verbundenen erheblichen Arbeitsanfalls und angesichts d=
er
Komplexit=E4t der damit verbundenen Probleme zu widmen. Er forderte dah=
er
alle deutschen Bibliotheken, die auch nur m=F6glicherweise ein entsprec=
hendes
Kulturgut bei sich gelagert oder in ihre Best=E4nde eingearbeitet haben=

k=F6nnten, auf, trotz des damit verbundenen Aufwands zu pr=FCfen, ob
entsprechende Materialien noch in ihren R=E4umen vorhanden seien.

Erste Ergebnisse in dieser Hinsicht kann die Bremer Staats- und
Universit=E4tsbibliothek vorweisen, die in ihrem Bestand zahlreiche B=FC=
cher
ermittelte, die aus dem Besitz j=FCdischer Mitb=FCrger stammen, deren E=
igen-tum
enteignet und =F6ffentlich versteigert wurde. Nachdem in einigen F=E4ll=
en
Angeh=F6rige der damals Enteigneten ermittelt und die B=FCcher zur=FCck=
gegeben
werden konnten, widmet sich nun eine Ausstellung im Stadtarchiv Hannove=
r
den in der Bremer Bibliothek aufgefundenen Best=E4nden aus dem Besitz
hannoverscher Fl=FCchtlinge:

=93Seligmanns B=FCcher.
Von der sp=E4ten R=FCckgabe des Eigentums j=FCdischer Fl=FCchtlinge aus=
 Hannover=94

Bremische Gerichtsvollzieher versteigerten im Auftrag des hitlerdeutsch=
en
Reiches beschlagnahmtes Eigentum - von Juden, die ihr Land verlassen
wollten, in dem f=FCr sie kein Platz mehr war. Unter der erzwungenen
Hinterlassenschaft B=FCcher wie Rilkes =93Stunden-Buch=94 und Mozarts B=
riefe -
aus dem Besitz des Dirigenten Hans Bernstein, der sich in der Emigratio=
n
Harold Byrns nannte und 1963 Alma Mahler die erstmalige Auff=FChrung vo=
n
Gustav Mahlers =93Zehnter=94 abrang. Sie war bewegt, vermerkt der Chron=
ist.

Harold Byrns kehrte nach Deutschland zur=FCck, starb 1977 und ist in Be=
rlin
begraben. Die B=FCcher aus seinem Besitz standen, wie die anderer
hannoveraner B=FCrger j=FCdischer Herkunft, Jahre unbemerkt in der Brem=
er
Staats- und Universit=E4tsbibliothek.

Den Menschen und ihren B=FCchern ist eine Ausstellung im Stadtarchiv
Hannover, Am Bokemahle 14-16 gewidmet, die am 5. 10. um 19 Uhr er=F6ffn=
et und
bis zum 5. 11. 1999 gezeigt wird.

Auskunft: Dr. Peter Schulze, Tel.: 0511/16844287, Fax: 0511/16846590

Weitere Informationen in:

K=FChn-Ludewig, Maria (Hrsg.), f=FCr den Arbeitskreis kritischer
BibliothekarInnen (Akribie)
Displaced Books. B=FCcherr=FCckgabe aus zweierlei Sicht. Beitr=E4ge und=

Materialien zur Bestandsgeschichte deutscher Bibliotheken im Zusammenha=
ng
von NS-Zeit und Krieg.
99 S., mit zahlr. Abb., 20 DM
(Laurentius Sonderheft)
ISBN 3-931614-48-4; ISSN 0930-9950

Inhalt:
Die Forderungen einiger Bibliotheken nach R=FCckgabe ihrer ehemaligen
Buchbest=E4nde aus dem heutigen Besitz osteurop=E4ischer L=E4nder zu
konfrontieren mit einem anderen, weniger beachteten Erbe derselben Epoc=
he,
n=E4mlich mit B=FCchern, die sich zu Unrecht in deutschen Bibliotheken =
befinden
und seit Jahren ihrerseits Aufmerksamkeit verdient h=E4tten - das ist d=
as
Anliegen dieser Ver=F6ffentlichung.

Am Beispiel der R=FCckgabe-Aktion von aus sog. =93Juden-Auktionen=94 st=
ammenden
B=FCchern der Bremer Staats- und Universit=E4tsbibliothek an die urspr=FC=
nglichen
Buch-Besitzer, der =93unspektakul=E4r=94 erfolgten R=FCckgabe von B=FCc=
hern an die
Ukraine, die im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen aufgefunden wurden, als a=
uch
durch das hannoversche Bem=FChen, das Leben der vertriebenen j=FCdische=
n
Familien mit den geraubten und zur=FCckgebliebenen B=FCchern als Ausgan=
gspunkt
in einer Ausstellung darzustellen, wird dies dokumentiert.

Wie erwarben Bibliotheken politisch unerw=FCnschte und enteignete Liter=
atur?
- Dieser Frage wird im ersten Teil von =93Displaced Books=94 nachgegang=
en und
auf die Praxis der UB Freiburg, der UB Heidelberg, der UuStB K=F6ln und=
 der
B=FCcherverwertungsstelle Wien eingegangen. Teil 2 beschreibt die Verlu=
ste
polnischer und sowjetischer Archive und Bibliotheken. Teil 3, =93Fundst=
=FCcke=94,
widmet sich neben den o.g. Bem=FChungen der R=FCckgabe der Dokumentatio=
n
weiterer Schicksale von Menschen, B=FCchern und Bibliotheken in Deutsch=
land,
Italien, Estland, Lettland und Litauen.

Der Band, herausgegeben im Auftrag des Arbeitskreises kritischer
BibliothekarInnen (Akribie), zeigt auf, wie selbstverst=E4ndlich Biblio=
theken
an damaligen Besitzver=E4nderungen, am historischen Unrecht teilgenomme=
n und
sich bereichert haben. Grund genug, dar=FCber nachzudenken, wie sich di=
ese
Institutionen heute in die Lage versetzen, dass diese =93Geschenke=94 z=
u Recht
das Haus wieder verlassen k=F6nnen.

Bestellungen an: dehmlow@bigfoot.com
=


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